8 – 12. A Room That Was Never Meant To Be

Jodie Carey

Postfuhramt Mitte

Kurz vor der Schließung des C/O Berlin im historischen Postfuhramt 2013 öffnet diese Ausstellung für einen Nachmittag einen Raum, den es nie hätte geben sollen und der anschließend für immer verschwinden wird.

A Room That Was Never Meant To Be zeigt Arbeiten der britischen Künstlerin Jodie Carey. Die Ausstellung findet nur an einem Nachmittag statt und ist speziell für die Räumlichkeiten entworfen worden.

 

Ursprünglich als repräsentatives Oberlicht für einen darunterliegenden Saal gedacht, befindet sich der Ausstellungsraum in einem der herausragenden Gebäude des alten Berlins. Mit der Entscheidung die Decke jenes Saals nach dem Krieg zu schließen, entstand inmitten des Dachbodens ein versteckter Raum – ein Raum, den es so nie hätte geben sollen. Als solcher ist der Ort in den Jahren nach seiner Entstehung nie öffentlich genutzt worden und wird mit der bevorstehenden Umgestaltung des Hauses in Kürze wieder verschwinden.

 

Die fünf kleinformatigen Prints aus Jodie Careys Serie Elegy (2012) stellen digitale Abdrucke von original erhaltenen Glasnegativplatten aus den 1920er-Jahren dar. Vor dem Aufstieg des Zelluloids zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Negativplatten das Kernstück einer sich rasant entwickelnden Fotografietechnik. Heute werden derartige Platten nur noch selten verwendet und nur wenige Originale aus ihrer Glanzzeit sind erhalten. Die fünf Exemplare der Serie Elegy, auf denen sich Abdrucke klassischer Blumenstillleben befinden, tauchten vor einigen Jahren als Dachbodenfund auf und wurden in diesem Zuge von der Künstlerin erworben. In der Absicht, die fragilen und bereits beschädigten fotografischen Spuren der Motive zu bewahren, entschied sich die Künstlerin digitale Prints zu entwickeln. Dabei verzichtete Carey bewusst darauf, Spuren von Beschädigungen der Glasplatten in deren digitalen Kopien zu bereinigen. So halten die fünf Prints nicht nur die schwächer werdenden Bilder fest, sondern auch die Geschichte ihrer Träger selbst. Durch das Sichtbarmachen dieser Makel findet Carey einen Umgang mit dem Material, der die gesamte Tiefe der Geschichte dieser Objekte einzufangen versteht.

 

Im Kontext der Ausstellung verweisen Careys Arbeiten vor allem auf eine offene Wunde. Inmitten des Raumes, der vom Verfall seiner Schönheit geprägt ist, treten die Arbeiten Careys für einen kurzen Nachmittag in seine Leere und geben dem Raum so etwas zurück. Als ein traditionelles Symbol von Zeitlichkeit verweisen die floralen Stillleben vor allem auf die greifbare Melancholie des Raumes. Die spürbare Geschichte des Ortes und die allgegenwärtigen Zeichen der Vergänglichkeit sind es, die Raum und Arbeiten auf subtile Weise miteinander verbinden. Der Dialog, der sich zu entspinnen beginnt, erzählt dabei vor allem zwei Geschichten, die mehr als alles andere durch ein langsames, aber würdevolles Verschwinden gezeichnet sind.

A Room That Was Never Meant To Be
Jodie Carey
Postfuhramt Mitte
08.03.2013